Mit Altem brechen! 1968: Aufbegehren in Kunst & Gesellschaft

seminar mit 5 vorträgen, 5 ausstellungen, 5 texten & eigener arbeit


Frieder Nake

Winter 18/19, Universität Bremen, aber auch Kunsthalle Bremen und andere Museen

Beginn: 25. September 2018, 15 bis 17 Uhr, "noon" im Schauspielhaus

Mit einer Einstimmung geht es am Dienstag, 25. Sept., um 15 Uhr los. Gleich danach gibt es den ersten Vortrag des legendären Herbert W. Franke um 18 Uhr im Vortragssaal der Kunsthalle. Alles Weitere auf dem Plan!

Vorab, weil wichtig!
Unser Seminar wird in manchem anders sein und anders verlaufen als andere. Es wird z.B. bereits am Dienstag, dem 25. September 2018, beginnen. Da herrscht noch das Sommersemester. Wir fangen an mit fünf öffent-lichen Vorträgen in der Kunsthalle Bremen. Der erste davon ist eben schon am 25. September um 18 Uhr. Wir treffen uns ein erstes Mal davor, um 15 Uhr nämlich. Da besprechen wir die äußeren Bedingungen des Seminars.

Zum Inhalt
Das Jahr 1968 markiert in etlichen europäischen Ländern eine Zeit zugespitzter gesellschaftlicher Auseinander-setzungen, die zu vielfältigen radikalen Brüchen mit den Werten und Traditionen der Generationen des Weltkriegs und der Nachkriegszeit führen. Sie zeigen sich auch auf einer ganz anderen Ebene: in der Kunst. Während in China noch die Große Proletarische Kulturrevolution die Gesellschaft erschüttert, und die USA ihrer Niederlage in Vietnam entgegen taumeln, beginnt in der entwickelten Welt eine umfassende Umwälzung aller sozialen Infrastruktur durch die Algorithmische Revolution. Heute, fünfzig Jahre später, ist umfassend Wirklichkeit geworden, was damals begann, kaum bemerkt. Was nämlich überraschender Weise parallel zur gesellschaftlichen und politischen Revolte geschah, ist der Einbruch der Computertechnik, also das Vordringen des Berechenbaren, in die Kunst. Seit Mitte der 1960er Jahre wird Algorithmische Kunst ausgestellt. Und 1968 (also vor fünfzig Jahren) kommt es zu zwei internationalen Großereignissen:
Cybernetic Serendipity. The Computer and the Arts im ICA London
und zeitgleich
Tendencies 4. Computers and Visual Research in den Galerien der Stadt Zagreb.
Die Zagreber Ereignisse führen während der nächsten zwölf Jahre hin zu weiteren Aktivitäten, durch die die algorithmische Kunst den Anschluss an die Kunstgeschichte findet. – An einzelnen Erscheinungen werden wir dem in drei Formen nachgehen und dabei das Geschehen auf die heutige Zeit der Medien hin reflektieren. Konkret werden dies sein:

(a) Der Besuch einer Reihe von fünf Vorträgen in der Kunsthalle Bremen. Sie begleiten die Ausstellung "Programmierte Kunst. Frühe Computergrafik" (29.8. bis 11.11.2018). Die Vortragenden sind:

 25.9.   Herbert W. Franke, freischaffender Künstler, Autor, Wissenschaftler
 2.10.   Margit Rosen, ZKM Karlsruhe, Kuratorin, Autorin, Kunsthistorikerin 
 9.10.   Joscha Schmierer, freischaffender Autor, Herausgeber, Journalist
 16.10. Felicia Rappe, Museum Abteiberg Mönchengladbach, Kunsthistorikerin, Kuratorin 
 23.10. Frieder Nake, Universität & Hochschule für Künste Bremen, Informatiker, Künstler, Autor

(b) Der Besuch von fünf aktuellen Ausstellungen:

 am 25.10. in der Kunsthalle Bremen, 
 am 15.11. im Museum Weserburg Bremen & in der Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen 
 am 22.11. im Sprengel-Museum Hannover
 am 6.12. im Edith-Russ-Haus für Medienkunst Oldenburg.

(c) Das Studium von fünf Aufsätzen aus aktuellen Publikationen zu Themen der Digitalität und Algorithmik.

  [1] What is an algorithm? In ED FINN, What algorithms want. Imagination in the age of computing. Cambridge, MA: MIT Press, 2017, p. 15-32
 [2] Computer generation of random numbers, in PERCI DIACONIS & BRIAN SKYRMS, Ten great ideas about chance. Princeton University Press, 2018, p.146-164
 [3] Biasi complains, and more, in ARMIN MEDOSCH, New Tendencies. Art at the threshold of the information revolution. Cambridge, MA: MIT Press, 2016, p. 163-177
 [4] The Computers and Visual Research exhibition, in ARMIN MEDOSCH, New Tendencies. Art at the threshold of the information revolution. Cambridge, MA: MIT Press, 2016, p. 177-195
 [5] We have always been digital, in DENNIS TENEN, Plain text. The poetics of computation. Stanford Univewrsity Press, 2017, p.185-195

Über diese Ereignisse und Aktivitäten fertigen die Teilnehmenden Protokolle und Zusammenfassungen an, die Gegen¬stand von Diskussionen und abschließenden Essays werden sollen. Dafür können sie Leistungspunkte erwerben. Ich strebe aus dem Seminar heraus die Bildung einer Arbeitsgruppe an, mit der ich die Thematik noch weiter bearbeiten möchte. (Die Aufsätze stelle ich in Kopie zur Verfügung.)