Theorie und Geschichte des Berechenbaren


Frieder Nake

Summer 2019, University of Bremen

Dienstag 14-16, MZH 6340

für B.A., B.Sc., M.A., M.Sc. Digitale Medien, Informatik | 2 SWS | 4 CP ECTS | Beginn 2.4.2019

Digitalisierung! Das ist das Wort dieser Zeit. Die Zeitungen schreiben davon. Die Regierung legt Programme auf, zwingt die Schulen dazu. Die Arbeitenden verlieren ihre Arbeit, weil digitalisiert wird. Die Geisteswissenschaften sind plötzlich digital (Digital Humanities), in Bremen sind es die Abfall-Sammel-Behälter, habe ich gehört. Was bloß ist da los?
Am 1.6.2018 gab es diese Meldung: Bundesregierung plant die digitale Revolution.
Das ist doch schon ziemlich krass, oder? Die planen jetzt als Regierung eine Revolution! Gegen wen denn? Vermutlich gegen ihr Volk. Früher war das mal andersherum. Die Regierungen sind in die Wüste gejagt worden oder im Kerker verschwunden. Heute planen sie das. Aber nicht irgendeine Revolution. Sie wissen auch schon, worum es in der gehen wird. Um das Digitale nämlich. Die Frau Merkel wieder! Vornedran marschiert sie.
Nun aber mal Halt! Soll es hier nach Ankündigung nicht um das Berechenbare gehen? Ist denn das nicht was Anderes? Es ist was Anderes, das ist ja gerade der Skandal. Worum es nämlich geht in der jetzigen riesenhaft unübersichtlichen und, in der Tat, kulturrevolutionären Umwälzung sondergleichen – worum es geht, ist die Berechenbarkeit von möglichst allem. Dabei spielt das Digitale durchaus eine Rolle, es ist die Form, die Dinge und Prozesse annehmen sollen (fast schon müssen), wenn sie berechenbar gemacht werden. Aber der springende Punkt ist ständig die Berechenbarkeit. Mit der permanenten und nahezu unerträglichen Rede von der Digitalidierung wird abgelenkt vom eigentlichen Kern. Nichts als eine Ideologie-Kampagne!
Deswegen biete ich diese Veranstaltung an. Deswegen biete ich sie in den Digitalen Medien an, möchte aber gern Menschen auch aus anderen Bereichen gewinnen. Die Veranstaltung wird nicht eine mathematische sein. Doch wir werden den Begriff der Berechenbarkeit schon so genau wie nur möglich zu fassen versuchen. Eben damit wir selbst uns in die Lage versetzen, genau zu wissen, wovon wir reden. Wir werden also die Mathematik berühren, aber wir werden nicht unmittelbar mathematisch werden. Wir werden an zwei Beispielen auch die Kunst berühren, aber wir werden nicht unmittelbar künstlerisch werden. Wir lassen uns auf die Spanne zwi-schen Mathematik und Kunst ein (oder zwischen Algorithmik und Ästhetik), weil die sog. Digitalen Medien in unserem Fokus stehen.
Wer also teilnimmt, sollte auf Antworten (oder jedenfalls auf Auseinandersetzungen) hoffen zu:

  • Was heißt "berechenbar"?
  • Welche Rolle spielt das Berechenbare in unserem Leben?
  • Ist alles berechenbar?
  • Und was ist mit der Kunst?