Algorithmisch Zeichnen

eine Woche mal ganz anders


Frieder Nake

Summer 2019, Hochschule für Künste Bremen

14 bis 20 & 22 Juli 2019, je 10 bis 17 Uhr, HfK 2.11.100

Beschränkt auf 15 Teilnehmende!

Klar: was Menschen tun, ist nahezu immer und überwiegend nicht-algorithmisch, also nicht berechenbar. Klar aber auch: Wenn Menschen sich vornehmen, eine menschliche Tätigkeit zu algorithmisieren, dann gelingt ihnen das irgendwie, in irgendeinem eingeschränkten Sinne. Einiges, mehr oder minder vieles dessen, was menschliche Tätigkeit auszeichnet, mag gelingen, algorithmisch formuliert zu werden. Wenn und soweit das gelingt, kann eine Maschine es dann auch ausführen. Damit wir uns nicht missverstehen: nahezu nie wird die bisherige menschliche Tätigkeit nun maschinell stattfinden. Nein und nie! Der Computer wird nicht intelligent werden und die Zeichenmaschine wird nicht zeichnen wie Horst Janssen oder Albrecht Dürer. Aber der Computer hat den Schachweltmeister geschlagen (weil Schach ein triviales Spiel ist). Und programmierte Bilder hängen in den Museen.
Keine Angst, um solche theoretischen Hintergründe wird es in dem vorgeschlagenen Workshop nicht ständig gehen, am Rande vielleicht, wenn wir ein wenig nachdenken wollen. Es ist so: Peter von Maydell gibt seit langem in jedem Sommer, wenn die wöchentlichen Lernangebote zu Ende gegangen sind, einen Workshop im Zeichnen. Mit Kugelschreiber, das ist seine Spezialität. In diesem Sommer aber macht er etwas anderes. So hat er mich gefragt, ob ich nicht einspringen möchte. Mit Freuden habe ich geantwortet, aber klar, ich springe.
Ich kann aber gar nicht zeichnen. Ich verstecke mich hinter Maschinen. D.h. ich stehe für eine Zukunft, die schon begonnen hat. Sie hat für mich 1963 begonnen. Oben seht Ihr ein ziemliches Monstrum von einer Maschine, wie sie damals waren. Die habe ich programmiert und daraus ist die algorithmische Kunst hervorgegangen. Jetzt lade ich Euch ein, Zeichnungen zu denken, die Maschine sie aber ausführen zu lassen. Das kann einmal Euer Laptop sein mit seinem Bildschirm. Das soll aber auch, so hoffe ich, ein kleiner spitteliger Zeichenapparat sein, wie man sie heute für ein paar hundert Dollar kaufen kann. Vielleicht so wie das kleine ding hier. (Wir wollen so etwas kaufen, Ihr sollt es verwenden können.)

Wir werden also betrachten, was eine algorithmisch gezeichnete gerade Linie ist. Auch was eine algorithmische Kreislinie ist. Wir werden weitere Linien betrachten, Schraffuren, Texturen, Kompositionen. Wir werden uns eine gängige Grundlehre des Zeichnens vornehmen und uns aus ihr einige Aufgaben vornehmen und sie algorithmisch fassen. Wir werden die Programme selbst in Processing notieren oder in Python.
Es soll eine herausfordernde, dichte Woche werden mit einem kleinen Projekt zum Abschluss. Ein Student wird uns bei technischen Dingen helfen. Es soll locker zugehen, entspannt, aber eben auch konzentriert. Wenn Ihr mitmachen wollt, solltet Ihr mir das sagen. Wenn Ihr Euch dafür entscheidet, solltet Ihr nichts anderes parallel buchen. Denn das bringt nichts. Workshop ist Workshop. Wir werden an einem Tag in die Kunsthalle gehen und uns ein paar alte algorithmische Zeichnungen zeigen lassen. – Ich möchte auch, nebenbei gesagt, ganz unabhängig hiervon, eine Exkursion ans ZKM Karlsruhe organisieren.